Berlin – Ab dem Schuljahr 2026/27 müssen Berliner Schüler ein "Handschrift-Zertifikat" erwerben, um zum Abitur zugelassen zu werden. Die Prüfung umfasst das fehlerfreie Schreiben eines zweiseitigen Textes in Schreibschrift innerhalb von 30 Minuten.

Bildungssenatorin Dr. Marion Keller begründet die Maßnahme mit alarmierenden Studien: "Viele Abiturienten können kaum noch leserlich mit der Hand schreiben. Das ist eine kulturelle Katastrophe." Eine vom Senat in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass 67% der Berliner Zehntklässler keine zusammenhängende Seite in Schreibschrift verfassen können.

"Handschrift ist nicht nur ein motorischer Akt, sondern formt unser Denken. Wer nicht mit der Hand schreibt, denkt anders – und zwar schlechter."
— Prof. Dr. Martin Lindemann, Neurologe an der Charité

Die neue Regelung sieht vor, dass Schüler in der 11. Klasse eine standardisierte Handschrift-Prüfung ablegen müssen. Wer durchfällt, erhält Förderunterricht und kann die Prüfung wiederholen. Maximal drei Versuche sind erlaubt.

Elternverbände laufen Sturm gegen die Maßnahme. "Meine Tochter tippt schneller als sie schreibt. Warum soll das ein Nachteil sein?", empört sich Mutter Sandra Kroll aus Prenzlauer Berg. Der Landeselternausschuss plant eine Petition.

Andere Bundesländer beobachten das Berliner Experiment mit Interesse. Bayern und Baden-Württemberg erwägen ähnliche Maßnahmen. NRW-Schulministerin Dorothee Feller kündigte bereits an, die Entwicklung "genau zu beobachten".